Die Lage des FCS
Die Veränderung auf der Trainerposition beim FCS hatte den erhofften Effekt, mindestens wenn man auf das Ergebnis schaut. Ein 3:0-Auswärtssieg beim formstärksten Team der Liga war ein perfekter Einstand für den Trainer und kann und muss der Startschuss für eine starke Saisonendphase haben. Aktuell sind es noch vier Pflichtspiele, man will aber noch sieben Spiele zu bestreiten haben und das Saisonende so weit wie möglich nach hinten verlängern. Gleichzeitig muss man generell schauen wie man das Spiel gegen Verl angehen kann und will. In Essen hat sich eine kompakte und defensiv orientierte Ausrichtung bezahlt gemacht, auch beim Blick auf das deutlich angeschlagene Selbstvertrauen bei vielen Akteuren. Viele lange Bälle ins Nichts im ersten Abschnitt waren sinnbildlich dafür. Der Sieg sollte Selbstvertrauen geben, auch muss man sehen inwiefern die Spielweise in einem Heimspiel angewendet werden kann. In Essen hat der Spielverlauf mit dem frühen Tor und die Tatsache des Auswärtsspieles dabei geholfen. Im Park könnte es schneller unruhig werden und nicht den Erwartungen entsprechen. Beim Blick auf den Gegner gibt es zwei Seiten der Medaille: Verl ist eine Ballbesitzmannschaft, kein anderes Team in der Liga kommt auf einen besseren Wert als die Verler. Kompakt stehen und umschalten kann da eine Variante sein, hat in der Saison gegen den SCV als Mittel auch schon funktioniert. Gleichzeitig sollte man nicht erwarten das die Verler ähnliche Räume und Ballverluste geben wird wie es Essen getan hat und ein defensivorientiertes Spiel bietet auch seine Tücken. Sie haben große Qualitäten mit dem Ball am Fuß und man läuft Gefahr bei abwartender Haltung nur noch dem Gegner zu folgen statt in Ballbesitz und Umschaltmomente zu kommen. Im Hinspiel hat man dies Phasenweise schon erlebt und am Ende auch mit Glück einen Punkt entführt.
Am Ende ist es wie immer in der Liga. Der Gegner bringt eine Menge individuelle Qualität auf den Platz, dazu weiß man bei Verl um das gute Spiel als Mannschaft, um über Jahre fest eingebrachte Automatismen und Abläufe. Diese Mannschaft ist zu schlagen ist kein Spaziergang sondern wird einer richtig guten Leistung in allen Richtungen bedürfen und der Gegner an sich darf in der Sichtweise des FCS auch nicht mehr die Rolle spielen. Ob hohe Qualität, viel Momentum, kein Druck oder umgekehrt vielleicht auch mal ein Gegner in einer schlechteren Form oder Ausgangslage. Denn man hat die riesige Chance bis zum Ende dieser Saison um den Aufstieg in die 2.Bundesliga zu spielen und sich in die Relegation zu spielen. Für dieses Ziel kann der Auswärtssieg in Essen nur ein erster Schritt gewesen sein, man ist weiter Jäger und hat über die vorherigen Wochen zu wenige Punkte geholt um sich im Saisonendspurt noch große Ausrutscher leisten zu dürfen. Man legt am Samstag gegenüber den punktgleichen Cottbusern vor, kann den Druck vor deren Heimspiel gegen Waldhof Mannheim erhöhen und gleichzeitig Hansa Rostock mindestens auf Distanz halten. Dies muss mit einem Heimsieg das Ziel der Malstätter sein. Im besten Falle würden die Blauschwarzen wieder einen hohen Sieg einfahren, sich beim Thema Torverhältnis besser positionieren. Doch wird der Sieg schwer genug und überhaupt zu gewinnen ist die Prämisse. Auch würde man den SC Verl endgültig distanzieren. Beim Blick auf die derzeitige Tabelle geht es für die Gäste in der Saison nicht mehr um die Tabelle, "nur noch" darum die beste Saison der Vereinsgeschichte zu spielen. Entsprechend hat man sie auch nicht mehr im Blick. Gleichzeitig würde man mit einem Sieg beim FCS den Rückstand aber auf drei Punkte verkürzen und in der verrückten Liga kann man nie sagen ob nicht vielleicht sogar Cottbus und Rostock ebenfalls nicht gewinnen würden und die Verler plötzlich wieder den Kontakt zu Platz 3 oder 4 hätten. Denn durch das Ausscheiden im Landespokal ist dies die einzige Möglichkeit für den SCV um in der kommenden Saison im DFB-Pokal vertreten zu sein.
Dem neuen Trainer werden bei diesem Unternehmen beim Heimdebüt teilweise andere Spieler zur Verfügung stehen als beim ersten Spiel in Essen. Brünker und Krahn haben ihre Sperren abgesessen und sind nun wieder spielberechtigt. Am Samstag ist auch kein Akteur gesperrt, an den letzten Spieltagen (und einer eventuell Saisonverlängerung) wird man aber weiter akut von Sperren bedroht sein. Denn mit Patrick Sontheimer (9), Till Schumacher, Philipp Menzel, Lasse Wilhelm und Tim Civeja (alle 4) sind gleich fünf Spieler vorbelastet. Vier weitere Akteure (Bichsel mit Acht sowie Günther-Schmidt, Fahrner und Krüger mit jeweils Drei) haben noch eine Verwarnung als Puffer. Verletzungsbedingt steht neben den Langzeitverletzten Neudecker und Naifi auch Vasiliadis durch seinen Muskelfaserriss aus dem Essen-Spiel nicht zur Verfügung. Mutmaßlich dürfte es für den Mittelfeldspieler das Saisonaus bedeuten, mit drei Wochen an Ausfallzeit wird als untere Erwartung gerechnet. Jacopo Sardo befindet sich im individuellen Training. Dazu kommen mindestens drei Fragezeichen. Bjarne Thoelke meldete sich letzte Woche erkrankt ab, in der Regel sollte man eine Woche später dann zumindest eine Option für den Kader sein. Wie schwer die Erkrankung war ist jedoch unbekannt, auch inwiefern der Spieler wieder im Training ist. Stehle (Syndesmoseband) war letzte Woche auch wieder auf dem Trainingsplatz, für das Spiel in Essen aber keine Alternative. Diese Situation könnte sich geändert haben und würde die U23-Regel entspannen. In Essen löste man es nicht über Mutter als zweiten Torwart auf der Bank, nominierte stattdessen in Luca Behr einen Defensivspieler aus der U19. Das letzte Fragezeichen steht hinter Rizzuto. In Essen hat er kurz vor Spielende nen ordentlichen Schlag abbekommen und bisher ist weder eine Diagnose noch seine Trainingssituation bekannt. Stünden alle drei Spieler zur Verfügung so wäre man man maximal 22 Feldspielern und müsste fünf Spieler aus dem Kader streichen. Uaferro und Gourichy erwischte es auch unter dem neuen Trainer in Essen, ne Veränderung ist nicht zu erwarten. Einzig Uaferro könnte sich Hoffnungen machen wenn Stehle fit und Thoelke nicht bereit ist. In dem Fall könnte er für Behr in den Kader rücken. Im zentralen Mittelfeld wird Krahn den Platz von Vasiliadis einnehmen, in der Offensive muss man mit Brünker (+ vielleicht Stehle) sogar eher zusätzlichen Platz im Aufgebot schaffen.
Eine Veränderung in der Startelf ist durch den Ausfall von Vasiliadis ebenso zwingend. Der Ausfall trifft hart, zumal mit Blick auf den zusätzlichen langfristigen Ausfall von Neudecker. Dadurch fehlen dir deine beiden Leistungsträger im zentralen Mittelfeld. Aber es ist nicht zum ersten Mal der Fall und muss kompensiert werden. Auch sollten zwei Positionen besetzt sein. Sontheimer ist eh über die komplette Saison hin gesetzt und wird in der neuen Ausrichtung auch mehr im Spiel nach vorne beitragen können. Zudem wird man sicher nicht Zeitz nach dem Spiel in Essen auf die Bank setzen. Das Kapitän hat gezeigt welchen Wert er auch jetzt noch auf der Sechserposition haben kann und nun gilt es dies in den nächsten Spielen zu konservieren und auch in offensiveren Spielsituationen seine Rolle auf der Position zu finden. Doch wer besetzt die dritte Position statt Vasiliadis? Krahn ist wieder eine Alternative, wäre mit drei defensiv orientierten Sechsern aber eine extrem defensive Variante auf dem Papier und gerade in einem 3-5-2-System brauchst du auch Offensivspieler. Civeja könnte eher dafür in Frage kommen als insgesamt offensiverer Spielertyp. Favorit ist aber Rabihic in einer anderen Rolle als in Essen. Mit Zeitz und Sontheimer im Rücken wird er auch sämtliche Freiheiten erhalten. Auch ist er frei für die Position, da man im Angriff mit Brünker beginnen kann. Nen richtigen Mittelstürmer will man auf dem Platz haben und Brünker hatte nun auch zwei Wochen Zeit für Training und sollte damit etwaigen Trainingsrückstand weiter reduziert haben. Sein Partner wäre dann Krüger. Er hat Tempo, er hat im Spiel stets viele Aktionen (wenn auch nicht nur gelungene) und sorgt für Alarm. Man hat viele Alternativen. Als Mittelstürmer könnte man sowohl mit Schmidt als auch Feiertag beginnen und Multhaup als Offensivspieler auf die Bank zu setzen wäre sicher eine Luxussituation.
Bei den Außenbahnspielern lieferte Fahrner in Essen eine konzentrierte und gute Leistung ab, sollte sich damit einen weiteren Startelfeinsatz gesichert haben. Sollte Rizzuto fit sein ist auch die andere Seite fest besetzt, andernfalls geht man auf die Suche. Schumacher wäre die gelernte Alternative, würde vielleicht besser zum Trainer passen. Aber auch Multhaup als offensive Variante ist weiter denkbar. In der Innenverteidigung dagegen sollte das Trio nen Vorteil haben. Bichsel ist über die Saison gesehen der gesetzte Innenverteidiger, Sonnenberg hat es in Essen gut gelöst während Becker mal wieder gezeigt hat warum er an sich der perfekte Innenverteidiger für den FCS ist. Wie gewohnt muss man aber sehen ob der Körper die fast 90 Minuten aus Essen gut verkraftet hat und er ohne Bedenken wieder gebracht werden kann, zumal ihm auch Spielpraxis und Matchfitness fehlen. Die Alternativen wären Wilhelm, Thoelke und Uaferro.