Szene 1: Im Strafraum geht Tim Civeja (Saarbrücken) im Duell mit Marius Wegmann (Aachen) zu Fall und fordert einen Elfmeter, den Schiedsrichterin Davina Lutz nicht gibt. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]
ZitatBabak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Strafraum ist Civeja hinter Gegenspieler Wegmann. Dieser führt das rechte Bein nach vorne, um den Ball zu spielen, trifft diesen aber nicht. Stattdessen trifft er Civeja in der Bewegung mit dem Bein/Knie von hinten am Gesäß und bringt ihn entscheidend zu Fall, sodass ein Foulspiel vorliegt. Es hätte somit einen Elfmeter geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben. Das leichte Schubsen von hinten kann man dabei vernachlässigen, da es kein Foulspiel darstellt.
Szene 2: Für zwei Foulspiele – eine Ausholbewegung gegen Bagkalianis und ein Trikotziehen gegen Emmanuel Elekwa – sieht Kaan Caliskaner (Saarbrücken) jeweils Gelb und muss vom Platz. [TV-Bilder – ab Minute 2:20]
ZitatBabak Rafati: Beim ersten Vergehen von Caliskaner nimmt dieser bei einem Laufduell den Arm zu weit heraus und hat nur die Intention seinen Gegenspieler Bagkalianis davon „wegzuhalten“, an den Ball zu kommen. Wenn er dann den Gegenspieler in dieser Form im Gesicht trifft, ist das ein Foulspiel mit der Folge einer gelben Karte. Beim zweiten Vergehen liegt ein klares taktisches Foulspiel wegen Trikotziehen vor, bei dem die Schiedsrichterin gar keine andere Wahl hat, als die gelb-rote Karte zu zeigen, sodass die Entscheidung richtig ist.
Fingerspitzengefühl ist in dieser Szene überhaupt nicht möglich, weil die gelbe Karte zwingend vorgeschrieben ist. Auch wenn der Spieler im Anschluss an das Spiel im Interview erklärt hatte, dass sein Gegenspieler kleiner als er sei und deshalb die Hand im Gesicht gelandet wäre, ist folgendes anzumerken. Wenn ein Spieler den Arm in dieser Weise herausnimmt, nimmt er bewusst in Kauf, den Gegner zu treffen. Wenn das Resultat dann ein Gesichtstreffer ist, wird aus dem normalen Foulspiel ein rücksichtsloses Foulspiel, sodass eine gelbe Karte regeltechnisch zwingend vorgeschrieben ist.
Beim Trikotziehen spielt es keine Rolle, ob das Vergehen im Mittelfeld oder in Tornähe ist. Entscheidend ist, dass eine gute Angriffschance unterbunden wird, was man natürlich an der gegnerischen Eckfahne nicht mehr behaupten kann und in solch einem Fall ohne gelbe Karte regeln würde.
Szene 3: Faton Ademi (Aachen) bekommt den Ball im Strafraum womöglich an den Arm, Lutz lässt weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 2:55]
ZitatBabak Rafati: Bei einer Hereingabe in den Strafraum wehrt ein Verteidiger den Ball mit dem Fuß ab, und von da aus prallt der Ball an den Arm von Ademi. Allerdings ist Ademi in der Vorwärtsbewegung, und als der Ball vom Mitspieler abgewehrt wird, bremst er ab, um abzustoppen. Dadurch schwingt der Arm mit, der in natürlicher Haltung ist. Ademi bekommt den Ball an den Arm, zieht diesen aber sofort zurück. Ja, das ist ein Handspiel, aber kein strafbares, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben. Auch wenn man das Handspiel in den TV-Bildern nicht eindeutig sehen kann, sprechen die Flugbahn und der Aufprall des Balles nach Berührung eine eindeutige Sprache, sodass zweifellos der Ball an den Arm geht, aber eben unabsichtlich und somit nicht strafbar ist.