Guten „Tach“ in die Runde. Ich oute mich direkt als Duisburger. Bei dem Nickname sicherlich nicht allzu schwer zu erkennen. Unser Lauf sorgt aktuell für ligaweites Aufsehen und bei euch scheint es auf wenig Begeisterung zu stoßen. Schon beim Krüger-Transfer sind mir eher negativen Assoziationen zu meinem Spielverein aufgefallen. Da ich keinen Grund sehe, dass sich unsere Fanlager/Vereine nicht mögen bzw. hassen (ausgenommen die feigen Überfälle auf Familien beim letzten Auswärtsspiel), würde ich gerne für einen etwas differenzierten Blick auf die aktuelle Situation sorgen.
Schon in unserer letzten 3. Liga Saison hat M. Preetz die Geschicke übernommen. Grlic, der wandelnde Misserfolgsmanager (nun bei Ingolstadt), wurde durch unseren ehem. Chef-Scout C. Schmoldt ersetzt. Zusätzlich haben wir in C. Koke endlich einen Marketingmanager gefunden, der auch mal wirklich Marketing betreibt. Das sind die 3 Säulen des Erfolgs. Aktuell kristallisiert sich D. Hirsch als 4. Säule.
Außerdem haben wir einen neuen Präsidenten (C. Stiefelhagen) gewählt. I. Wald hat uns vor seiner Abwahl noch mit Preetz beschenkt. Anders kann man es nicht nennen und es scheint so, dass es der Coup seiner Amtszeit war. Nachdem er den Verein wie sein mittelständisches Unternehmen geführt hat, zeigte sich, dass er zu nett war. Ergo hielt er viel zu lange an Grlic fest. Dieser lenkt nun den FC Ingolstadt mit dickem Budget geradewegs in Liga 4. Ivo war ein toller Fußballer, aber ist leider kein guter Manager. Der Abstieg war mit einer unfitten Chaostruppe und einem völlig falschen Trainer nicht mehr zu verhindern.
Das Feuer wurde nach dem Abstieg von unser Marketingabteilung entfacht. Dazu reichten kurze aber hochwertige Videos. Zum 4. Ligastart wurde Gütersloh mit ca. 6.000 Zebras überrannt. Das Lokalderby auswärts gegen RWO war auch restlos ausverkauft. Im Hintergrund haben Preetz und Schmoldt am Kader getüftelt und Sponsoren abgeklappert und weitere kreative Marketing Ideen initiiert. Es entstand eine Mannschaft, die durch dick und dünn ging. Man brillierte nie. Die Defensive war das absolute Prunkstück. Dafür ging im Sturm fast überhaupt nichts. Verzweifelt suchte man nach Stürmern, wurde mit Töpken aber nicht so richtig fündig. Der netzte zwar, aber vorne konnte keiner so richtig überzeugen. Effizienz war ein absolutes Fremdwort. Man mühte sich und gewann meistens. Deswegen stand D. Hirsch schon stark in der Kritik.
Die letzte Niederlage stammt von Landespokalfinale gegen RWE und man qualifizierte sich dadurch nicht am DFB Pokal. Schade, gerade weil das Spiel zu Hause verloren ging. An dem Tag wurde jedoch ein Fan gute 30 Minuten, für viele gut sichtbar, erfolglos re-animiert. Die Stimmung wurde den Essenern „überlassen“, die sich der Anteilnahme verwehrten. Das Spiel sorgte bei den Fans dennoch für Sorge. Wenn schon der Sturm schlecht sei, müsse dann wenigsten die Abwehr stehen. Dies wurde aber in Frage gestellt (auch von mir).
Die Verantwortlichen haben sich jedoch für den kompletten Abwehrverbund ausgesprochen und dieser brilliert aktuell in Liga 3. Mit B. Schlicke haben wir den Sohn unseres Ex. Verteidigers gesichert. Dieser ist aktuell der einzige nominelle IV als Ersatz. Bitter, brilliert aktuell auf der rechten Seite und ist ebenfalls als „positionsfremder“ IV-Ersatz eingeplant. Einige DMs könnten ebenfalls ausweichen. Hinten ist die Personaldecke jedenfalls am luftigsten gestrickt.
Im Mittelfeld und Sturm sind wir eigentlich „überbesetzt“. Durch diese breitverteilte Qualität, können wir den Ausfällen u.a. von Bookjans, Sussek und Borkowski Einhalt gebieten. Auch die 3. Reihe, ein Göckan der eigentlich als Ersatzverteidiger eingeplant ist, brillierte zuletzt als Flügelflitzer. Fans witzeln, er würde auch den Busfahrer ersetzen können. 6 – 7 Ausfällen zum Trotz, konnte man sich wirklich souverän durchsetzen. Wieder keine Glanzleistung, aber ein Erfolg auf voller Linie. Kräfte sinnvoll eingesetzt und mit wenig viel herausgekitzelt. „Im Stile einer Spitzenmannschaft“.
Apropos herauskitzeln. Die Fitness könnte nicht besser sein und ist neben der mannschaftlichen Geschlossenheit das Faustpfand. Die Gegner werden 100 Minuten ununterbrochen beackert. Meistens im eigenen 1. Drittel. Dort zwingt man die Gegner zu Fernschüssen. Dies mündet dann in absurden Statistiken. Aber am Ende ist unser xG und die tatsächliche Torausbeute höher. Alles andere ist für den Trainer irrelevant und Spiele zu Null werden mit einem zusätzlichen freien Tag belohnt.
Die Verpflichtung von Bulic war für mich der Königstransfer. Viet und Noß entwickeln sich ebenfalls zu tragenden Säulen. Die Mannschaft spielt urplötzlich gnadenlos effektiv, bleibt aber gelassen. Lediglich Borkowski und Krüger müssen ihren Platz im Team noch finden.
6 Spiele, 6 Siege sind für den MSV natürlich absurd. Aufstiegskonkurrenten, wie ihr und Essen, attestieren uns einen leichten Start. Dabei hatte man Wundertüten wie Ulm und Regensburg aus der 2. Liga. 2. Mannschaften lagen dem MSV noch nie, man hat Stuttgart 2 dennoch niedergerungen. Man macht es sich m.M. zu leicht, den Traumstart damit zu erklären. Der MSV kann ein 0:2 drehen und ein Spiel in Unterzahl Last Minute für sich entscheiden. In der Summe waren die 6 Siege sicher glücklich, aber alles andere als unverdient. Das Ziel heißt weiterhin Klassenerhalt. Wenn man davon ausgeht, dass 45 Punkte reichen, dann haben wir bereits 40% auf der Habenseite. Nun fahren wir zum angeschlagenen Boxer Havelse. Kaum auszudenken, wenn da weitere 3 Punkte eingetütet werden würden.
Es wird dann interessant werden, ob neue Ziele nach Außen hin kommuniziert werden. Man kann dann allerdings gegen euch und andere Spitzenmannschaften auch mal auf Unentschieden spielen. Aktuell ist die Truppe hungrig auf Erfolg und sieht nicht ein sich mit einer Punkteteilung zufrieden zu geben.
Man könnte noch einiges mehr erwähnen, was aktuell alles gut läuft. So oder so ist uns der historische Erfolg nicht mehr zu nehmen. Nach all den niederschmetternden Misserfolgen mal eine wohltuende Abwechslung. Nur realisieren kann man den ganzen „Wahnsinn vonne Wedau“ nicht.
Sportliche Grüße aus Duisburg.